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01. September 2019: Erinnern an den Beginn der Katastrophe

3000 Menschen aus der Oberlahn-Region sind nicht aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekommen

Von Andreas E. Müller, WT 3.9.2019

WEILBURG. Am 1. September jährte sich zum 80. Mal der Beginn des Zweiten Weltkriegs mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Ein wichtiger Anlass, an die Grausamkeiten eines Krieges zu erinnern. Zu einer kleinen Gedenkfeier versammelten sich etwa 40 Menschen auf dem Weilburger Friedhof, darunter auch Feuerwehrmänner in Uniform.

Weilburgs Bürgermeister Johannes Hanisch (CDU) dankte den beiden Initiatoren dieser Gedenkfeier, dem „Geschichtsverein Weilburg“ und dem Verein „Weilburg erinnert“. Er bezeichnete den Zweiten Weltkrieg als größte Katastrophe der Menschheit und erinnerte an die Millionen Toten, auch aus der heimischen Region. So seien aus dem Oberlahn-Gebiet etwa 10 000 Soldaten in den Krieg gezogen, von denen 3000 nicht zurückgekommen sind. Die Hälfte von ihnen sei gefallen, die andere Hälfte werde vermisst. Der Krieg sei verbunden mit Trauer und Leid, so Hanisch. Heute könne man sich so etwas nur schwer vorstellen, die Welt werde aber nicht stabiler und er frage sich, was wäre, wenn heute doch ein Krieg ausbrechen und uns liebe Menschen hineinziehen müssten.

Werner Richter vom Weilburger Geschichtsverein erinnerte besonders an alle Gefallenen und Vermissten aus Weilburg. Am 1. September 1939 zählte die Stadt 3987 Einwohner. Bis Kriegsende 1945 habe man 416 gefallene und vermisste Soldaten zu beklagen gehabt. Auch 80 Jahre später seien Leid und Ungewissheit bei den Angehörigen geblieben, so Richter. Laut einer aktuellen Pressemeldung seien im Jahr 2018 mehr als 8900 Suchanfragen nach Vermissten und 2019 weitere 4800 Suchanfragen beim Deutschen Roten Kreuz eingegangen.

Markus Huth vom Verein „Weilburg erinnert“ machte deutlich, dass auch heute, 74 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, die Opfer von Zwangssterilisation und Patientenmord in der NS-Zeit immer noch nicht als Verfolgte des Nazi-Regimes anerkannt sind und Zwangssterilisierte und „Euthanasie“-Geschädigte nicht dieselbe Entschädigung bekommen wie die Überlebenden und Hinterbliebenen der in den Konzentrationslagern ermordeten Menschen.

Selektion der Opfer per Meldebogen

Der Rassenwahn des Nationalsozialismus habe seinen Anfang mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses genommen, so Huth. Schließlich sei die Tötungsmaschinerie für die als lebensunwert deklarierten kranken und behinderten Menschen in Gang gesetzt worden. Über die in Berlin eingerichtete Zentralverwaltung sei eine Selektion der Opfer per Meldebogen und ihr Abtransport in eine der berüchtigten Vernichtungsanstalten, darunter auch das nahe gelegene Hadamar, koordiniert worden. An diesen Menschen seien die Mordmethoden erprobt worden, die später auch in den Konzentrationslagern bei Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und politischen Gegnern eingesetzt wurden.

Mit der Gedenkfeier in Weilburg solle auch ein Zeichen dafür gesetzt werden, dass die Gleichstellung der Opfer 85 Jahre nach Inkrafttreten des Gesetztes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und 80 Jahre nach Unterzeichnung des „Euthanasie“-Erlasses endlich Realität werden müsse. Für eine stilvolle musikalische Umrahmung der Feier sorgten Martin Krähe und Leo Thiemann von der Kreismusikschule Oberlahn mit Trompetenmusik.